Hirsch

Hirsch: 14 Jahre Hirsch

Bild: Hirsch: 14 Jahre Hirsch

Das große Hirschgeweih hängt seit der Gründung vor 14 Jahren über der Bar (Bild: baboon, Flickr)

 

Der Hirsch röhrt immer

Der Hirsch feierte Geburtstag und alle kamen. Die aktuellen und ehemaligen DJs spielten Hits aus der Hirsch-History und die Menge tanzte auf den Tischen. Gemeinsam mit dem Betreiber Axel Ballreich blicken wir zurück und nach vorn, ins 15. Hirschjahr.

LottaLeben:
Wer hat vor 14 Jahren den Hirsch gegründet und was für Charaktere waren es?

Ballreich:
Die Gründer waren die Freunde Gaby Kirpensteijn und Christian Alles. Christian ist immer
noch in diesem Geschäft tätig und veranstaltet zum Beispiel die Ü-30 Feiern im Parkcafé.
Im Grunde genommen, sind die beiden sehr gegensätzliche Charaktere. Gaby ist eher chaotisch und kreativ und übernahm vor allem den gestalterischen Teil (sie lebt heute in Spanien und macht was mit Innenausbau)und Christian ist auch kreativ, doch kümmerte sich eher um die Partys.

LottaLeben:
Mit welchen Ideen und Vorstellungen haben die Freunde den Hirsch ins Leben gerufen.
Haben sich diese Vorstellungen im Lauf der Jahre geändert?

Ballreich:
Die beiden planten den Hirsch als Bar, Disko und Veranstaltungszentrum. Sind dann jedoch aus privaten Gründen ausgestiegen und wir haben die Leitung übernommen und ein weiteres Standbein zum normalen Bar- und Partybetrieb ins Leben gerufen, unseren Schwerpunkt, den Konzertbetrieb. Das jetzige Hirsch-Konzept sieht so aus, dass viel Wert darauf gelegt wird den früheren Charakter aufrecht zu erhalten und daneben eine Konzerthalle zu führen. Der Hirsch organisiert pro Jahr 220 bis 240 Veranstaltungen, wovon die Hälfte Konzerte sind und die andere Hälfte Partys. Dieses Grundkonzept wird schon seit 10 Jahren so durchgeführt, nur eben die Ausgestaltung ändert sich, weil die Szene so schnelllebig ist und man sich da eben auch mit den Partys anpassen muss. Die einzigen Partykonzepte die es wirklich schon fast von Anfang an oder schon sehr lange so gibt, sind Wildstyle und Rosa Hirsch.

LottaLeben:
In dieser schnelllebigen Szene sind 14 Jahre eine wirklich lange Zeit. Ging es dem
Hirschen auch wirtschaftlich immer gut oder gab es auch Jahre in denen die Beliebtheit
eingebrochen ist und die Leitung ganz schön kämpfen musste?

Ballreich:
Nach der Euro-Einführung gab es zwei oder drei Jahre, in denen es dem Hirsch wirtschaftlich nicht so gut ging, was vielleicht auch daran lag, dass weniger Wert auf die Partyplanung gelegt wurde. Doch seit 2005/06 befindet sich der Hirsch gut im Aufwind und ist auch bei jungen Leuten recht beliebt, vor allem mit Partys wie „3..2..1.. Hirsch“. Trotz des Rauchverbots sind wir sehr zufrieden, denn wir konnten dieses Jahr ein deutliches Plus verzeichnen.

LottaLeben:
Woher kommt eigentlich der Name „Hirsch“

Ballreich:
Gaby hat den Namen erfunden. Ihr Vater war oder ist leidenschaftlicher Jäger und der
Name soll eine ironische Brechung mit Namen von Gasthäusern wie „goldener Hirsch“
sein. Ihr Vater hat auch das riesige Hirschgeweih, was heute noch über der Bar hängt,
zur Verfügung gestellt.

LottaLeben:
Es waren ja schon viele Top Bands wie die Sportfreunde Stiller, Gentleman oder Patrice
und international bekannte Top DJs im Hirsch zu Gast, welche waren Ihre Favoriten?

Ballreich:
Bei all den guten DJs ist es schwer einen Favoriten raus zu finden, aber ein Highlight ist
der bekannte DJ Sven Väth, der seit Jahren immer am letzten Donnerstag vor
Weihnachten im Hirsch ist. Außerdem ist das Haus auch immer sehr voll wenn DJ Hell
kommt oder die Disco Boys.
Bei Konzerten ist die Auswahl noch schwieriger, weil sie sich höchstens alle paar Jahre wiederholen im Gegensatz zu den Gastauftritten der DJs. Doch ein Highlight war der Auftritt der Fantastischen Vier und von George Clinton und den Funkadelics, bei dem Konzert standen 40 Leute auf der Bühne, das war schon was. Bis jetzt waren es ungefähr 1500 Konzerte die im Hirsch veranstaltet wurden und es waren einige Größen des Musikgeschäfts da, die man in einer Location wie dem Hirsch eher nicht erwartet hätte. Zum Beispiel Xavier Naidoo und ein Konzert von der Bloodhoundgang wurde 1998 sogar von MTV aufgezeichnet.

LottaLeben:
So viele berühmte Persönlichkeiten waren in den letzten 14 Jahren im Hirsch zu Gast. Da
gibt es doch bestimmt schöne Anekdoten zu berichten?

Ballreich:
Im Laufe der Jahre kann man 100 von Anekdoten berichten. Ganz witzig ist, dass der
berühmte Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner, der ja nicht mehr der jüngste ist, gerne
in der Hirsch kommt, wenn er in Nürnberg ist und dann bevorzugt Techno- und Elektro
Partys besucht.

LottaLeben:
Gab es auch schon schlimme Gäste oder Geschichten, an die man sich eher ungern
zurück erinnert?

Ballreich:
Toi toi toi ist der Hirsch in all den Jahren von schlimmen Geschichten verschont
geblieben. Wir haben im Gegensatz zu anderen Läden eine sehr offene Türpolitik und
trotzdem wenig Schwierigkeiten mit Ausschreitungen verglichen mit anderen Diskos.
Aber natürlich hatten auch wir schon Ärger mit bestimmten Gruppen und es gibt auch
Leute, mit denen es nach zu viel Alkoholkonsum Schwierigkeiten gab und die jetzt
Hausverbot haben. Aber so gibt es nichts, was besser vergessen werden sollte.

LottaLeben:
Der Hirsch bietet wie das E-Werk in Erlangen ein sehr abwechslungsreiches Programm
(Partys, Konzerte, Lesungen). Gibt es da eine Art Konkurrenzkampf wer das interessantere Programm anbietet?

Ballreich:
Klar gibt es Konkurrenzkampf, aber es ist eine gesunde Konkurrenz und kein vergiftetes
Klima. Zum Beispiel besteht zwischen dem Hirsch und dem E-Werk ein Austausch von
Werbeträgern. Wir beackern beide den gleichen Markt, nämlich die Metropolregion
(Nürnberg, Fürth, Erlangen) und vor allem im Bereich Konzerte ist der Markt recht klein
und die Konkurrenz groß und damit meine ich nicht nur das E-Werk. Im Bereich Partys ist
die Konkurrenz kleiner, weil es einen lokalen Markt gibt. Außerdem herrscht hier mehr
Zusammenarbeit.

LottaLeben:
Haben Sie dann engen Kontakt zu den Geschäftsführern vom E-Werk?

Ballreich:
Ja, wir kennen uns gut und haben auch viel Kontakt. Wir haben zum Beispiel erst neulich
mit dem Concertbüro Franken und dem E-Werk zusammen das Patrice Konzert im E-
Werk veranstaltet.

LottaLeben:
Was bedeutet der Hirsch denn für Sie persönlich?

Ballreich:
Der Hirsch ist wie unser Kind. Wir hegen und pflegen es und wollen, dass er sich
weiterhin so gut entwickelt. Es gibt so viele Locations nicht mehr, die es noch vor 10 Jahren gab, aber der Hirsch ist einfach „outstanding“.
Der Hirsch ist bayernweit einzigartig. Es gibt wohl keinen Club der ein vergleichbar erfolgreiches Konzertprogramm bietet. Aber beide Bereiche, also Party und Konzerte müssen funktionieren. Denn im Gegensatz zum E-Werk bekommt der Hirsch keine öffentlichen Gelder und dadurch muss auch alles durch Einnahmen finanziert werden.

LottaLeben:
Welche Pläne oder Zukunftsaussichten haben Sie speziell für das nächste Jubiläums-Jahr?

Ballreich:
Natürlich wird „15 Jahre Hirsch“ richtig groß gefeiert werden und das auch mit einer DJ Star Besetzung und wahrscheinlich wird es viele tolle Events geben und nicht nur eine einzige Geburtstagsparty. Aber es ist noch nichts in Planung, weil wir gerade noch mitten im Sommerprogramm stecken, aber wir werden es nicht aus den Augen verlieren.

LottaLeben:
Vielen Dank für das Gespräch

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