Erlanger Poetenfest

News: Areva und das Erlanger Poetenfest 2012

Poesie im Wandel der Zeit: was Fukushima und Uranstaub mit dem Erlanger Poetenfest zu tun haben.

Eine Oase für Wortdurstige. – Wenn im Schlosspark Autoren aus ihren Büchern lesen und an verschiedenen Veranstaltungsorten in Erlangen Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Workshops rund um das Thema Literatur locken, weiß jeder Freund der Poesie: das Erlanger Poetenfest ist wieder da!

Bild: News: Areva und das Erlanger Poetenfest 2012Im Jahr 2011 allerdings erhitzte eine Debatte rund um den Hauptsponsor des Literaturfestivals die Gemüter: Areva. 15.000 Euro sind es jährlich, mit denen der deutsch-französische Atomkonzern das Poetenfest unterstützt. – “Instrumentalisiert” nennen es die Atomgegner.

Spenden statt Sponsoring

Unter dem Motto “Poesie ohne Uranstaub” sammelten engagierte Bürgerinnen und Bürger Spenden, bis sie im Dezember 2011 die Zielsumme erreichten: 15.000 Euro. In einem offenen Brief boten sie diesen Betrag dem Kulturreferat. Der Deal: vorausgesetzt, das Poetenfest trennt sich von seinem Sponsor Areva, steht das Geld zur Finanzierung des Poetenfestes zur Verfügung.

“Inzwischen haben Treffen zwischen dem Kulturreferenten und Vertretern von Areva und der Initiave Poesie gegen Uranstaub stattgefunden”, erzählt uns Bodo Birk, Leiter des Literaturfestivals, und fügt mit Blick auf die Komplexität des Themas hinzu: “Selten waren wir, die Veranstalter, so froh, sagen zu können: die Entscheidung liegt jetzt beim Stadtrat.”

Bild: News: Areva und das Erlanger Poetenfest 2012

Hauptpodium im Schlossgarten Copyright: Erlanger Poetenfest - Foto: Erich Malter, 2011

7 Jahre Kohle von Areva

Doch nicht nur hinter den Kulissen wird über das schwierige Thema Atomkraft diskutiert. Bereits im letzten Jahr sorgten die Organisatoren des Poetenfestes für zwei Veranstaltungen zum Themenkomplex Areva, beispielsweise eine Podiumsdiskussion über die Chancen und Risiken des Kultur-Sponsorings. – Natürlich stellt sich da die Frage, weshalb sie Areva überhaupt 7 Jahre lang als Sponsor zugelassen haben.

“Das Erlanger Poetenfest ist ja keine Privatinitiative, sondern eine Veranstaltung der Stadt Erlangen”, stellt Birk klar. “Insofern war und ist es natürlich nicht die persönliche Entscheidung der Organisatoren, von wem die Stadt Erlangen finanzielle Unterstützung annimmt und von wem nicht.”

Bild: News: Areva und das Erlanger Poetenfest 2012

Nebenpodium im Schlossgarten Copyright: Erlanger Poetenfest - Foto: Erich Malter, 2011

Schmutziges Geld?

Mit Blick auf den Erlanger Stadtrat, in dem CSU und FDP die Mehrheit stellen, erläutert er: “Als die Firma Areva und die Stadt Erlangen vor acht Jahren die Sponsoring-Vereinbarung beschlossen, setzten CSU und FDP noch viele Jahre auf die Kernkraft. Die Frage, ob Areva ein akzeptabler Sponsor ist, stellte sich für die Stadt also gar nicht. Man darf jetzt nicht so tun, als ob der Ausstieg aus der Kernenergie, wie er nach Fukushima beschlossen wurde, schon seit Jahren gesellschaftlicher Konsens gewesen wäre.”

“Wir Veranstalter haben einerseits großen Respekt vor dem Engagement der Bürgerinnen und Bürger”, so der Festivalleiter. “Andererseits sollten große Konzerne, die in Erlangen Geld verdienen, auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, zum Beispiel eben durch die Finanzierung kultureller Events.”

Bild: News: Areva und das Erlanger Poetenfest 2012

Vom Geruch des Geldes. Chancen und Risiken des Kultur-Sponsorings – Podiumsdiskussion Copyright: Erlanger Poetenfest - Foto: Erich Malter, 2011

Poesie, Politik… oder beides?

Man sieht also: Areva bietet viel Stoff zum Diskutieren. Dass auch auf dem Poetenfest über solche gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen debattiert wird, findet Birk selbstverständlich: “Alle Schriftstellerinnen und Schriftsteller erzählen ja aus einem sozialen Kontext heraus, der ein autobiografischer sein kann, aber auch ein historischer oder ein aktueller politischer. Literatur und Politik sind keine getrennten Themenbereiche, die das Poetenfest unter einen Hut zu bringen versucht, sondern gehören auf natürliche Weise zusammen.”

Areva und die Folgen

Doch welche Folgen wird die Areva-Debatte auf das Poetenfest 2012 haben? – “Wahrscheinlich wird uns das Thema so schnell nicht wieder loslassen”, meint Birk, geht aber nicht von negativen Auswirkungen auf das Festival aus. “Egal welche Entscheidung der Stadtrat fällt, wird es natürlich Applaus und Kritik geben. Und wahrscheinlich werden wir das auch in unserem Programm nicht ignorieren.”

Auch wenn also die Sponsoren des Erlanger Poetenfestes 2012 im Moment noch nicht feststehen, so ist doch zumindest der Zeitraum des Festivals sicher: 23. bis 26. August 2012.

 

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