News: Poetry Slam im K4

Slammen bis die Wort-Fetzen fliegen! – So lautet die Parole, wenn einmal im Monat das K4 zum “Wortgefecht” bläst.

“Heute stehen hier nur Frauen auf der Bühne”, begrüßt am internationalen Frauentag Moderator Michael Jakob die Gäste des 59. Wortgefechts. “Frauen aller Alters- und Gewichtsklassen mit selbstverfassten Textinnen!”

Bild: News: Poetry Slam im K4

Michael Jakob, Foto von Crosa

Ach so. Die erste Goldene Regel des Poetry Slams wäre somit also schon geklärt: nur eigene Texte dürfen die 10 Damen präsentieren. Regel Nummer 2: Jeder Auftritt dauert 7 Minuten. Regel Nummer 3: Hilfsmittel sind verboten. Ausnahme: das Textblatt.

Heavy Metal gegen Hänger

Gerammelt voll und heiß ist es im Zentralcafé. Die Hälfte sitzt, der Rest – darunter ich – konnte eine Minute nach Einlass nur noch einen Stehplatz ergattern. Aber macht ja nix – wir sind doch noch jung! Geschätzter Altersdurchschnitt heute Abend: 22 Jahre.

Mit kleinen Geschichten aus seinem Roman “Schatz und ich – alleine schlafen ist noch doofer” eröffnet Michael – heute aka “Michaela” – den Dichterinnenwettkampf. Ein Liebesgedicht gibt’s oben drauf, heute extra noch auswendig gelernt. – Dann passiert’s: ein Hänger. Der Text ist weg. “HEAVY METAL!”, brüllen sofort die Erfahrenen im Publikum. Und tatsächlich, der alte Slam-Gag hilft: der Text ist wieder da. Noch ein paar Verse, schon sind die Ladies an der Reihe.

Comedy und Wuttiraden

Manche von ihnen sind Profis, andere Grünschnäbel. Manche wohnen um die Ecke, andere sind aus Dortmund, München oder Köln angereist. Angst vor klaren Worten, das hat Keine. Mit Texten über Freundschaft und Verlust verschlagen sie den Zuschauern die Sprache. Mit Wuttiraden über falsche Feministinnen (“Wenn man aus “Jemand” “JeMENSCH“ macht, hört der Spaß echt auf!”), amerikanische Präsidentschaftskandidaten (“Demokratie, Demokratie, du bist so attraktiv wie nie.”) und eklige Körperbehaarung (“Haare sind nur totes Gewebe. Über totes Gewebe spricht man nicht. Totes Gewebe hat man oder nicht.”) bringen sie selbst die, denen langsam die Beine weh tun, zum Lachen.

Bild: News: Poetry Slam im K4

Poetryslam K4 04/2009 © by crosathorian
(Quelle: Flickr, CC)

Dei Mudda…!

Auch die zufällig ausgewählte Zuschauer-Jury ist glücklich: sie gibt mal 7 von 10 Punkten, mal 8, mal 10… Und sollte sich doch mal Einer trauen, nur eine 3 zu geben, weist ihn sofort der Slam-Fan eine Reihe weiter auf den Fehler hin, charmant und doch bestimmt: “Dei Mudda is ne 3!”

3 ist überhaupt die Zahl des Abends, denn heute schaffen es 3 Ladies ins Finale. Einmal mehr treten sie gegeneinander an und überlassen es dann dem Publikum, durch möglichst lautes und langes Klatschen für sie abzustimmen. Um kurz vor 11 steht die Siegerin fest. Sie kommt aus München: Arianne Hussy, Finalistin des Bayernslam 2010. Mit ihrer bittersüßen Comedyeinlage zum Thema “Horror-Speeddating” bläst sie die Leute von den Stühlen (sofern vorhanden). “Karl hat eine Glatze”, stellt sie nüchtern fest und meint damit ihren ersten Dating-Partner. “Karl ist kahl. Das finde ich lustig. Mein Selbstmitleid fährt kurz Wasserski, bevor es ersäuft.”

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Poetryslam K4 04/2009 © by crosathorian
(Quelle: Flickr, CC)

Ein guter Text und sein Geheimnis

“Das war haarscharf”, erzählt mir Michael Jakob kurze Zeit später und meint damit nicht Karls mickrige Kopfbehaarung, sondern den Ausgang des Finales. “Arianne hatte den Vorteil, dass sie als letzte der drei Finalistinnen aufgetreten ist und sich ihr lustiger Text von den beiden ernsten Texten vorher abgehoben hat. – Lustige Texte kommen sowieso eher besser an.”

Da spricht einer aus Erfahrung! Schon vor 9 Jahren trat Michael zum ersten Mal als Slammer auf. Bei frisch verfassten Texten ist er sich trotzdem auch heute nie sicher, wie das Publikum reagieren wird: “Das weiß ich eigentlich erst, wenn ich auf der Bühne stehe. Manchmal denke ich, ein Text ist toll und dann finden ihn die Leute schlecht. Umgekehrt werden auch Texte ganz unerwartet ein riesiger Erfolg!”

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50x50mm@Slam K4 © by crosathorian
(Quelle: Flickr, CC)

Slam wohin das Auge blickt

Klingt spannend, aber auch ganz schön Nerven aufreibend. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb lädt Michael bei jedem seiner Auftritte die Zuschauer ein, sich einmal selbst als Teilnehmer bei einem Poetry Slam anzumelden und eigene Texte vorzutragen. “Im K4 sind wir im Moment schon ausgebucht”, sagt er. “Aber in vielen umliegenden Dörfern und Gemeinden sind noch Plätze frei. Zum Beispiel in Fürth!”

Genau, das kleine Dörfchen Fürth. Da slammen die Poeten jeden Monat in der Kofferfabrik. Und auch ins Erlanger E-Werk strömt monatlich die Slammer-Szene. In Scharen! Früh da sein solltet ihr also auch hier. – Es lohnt sich!

 

 

 

 

 

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