Nürnberg: Stimmenfang – Ladies in Jazz

Bild: Nürnberg: Stimmenfang – Ladies in Jazz

Schöne Frauen mit großen Stimmen: Efrat Alony, Olivia Solner, Yara Linss, Kristin Asbjørnsen. (Bilder: PR Stimmenfang)

 

Footprints

30.9. bis 11.10. // Vergesst das Bild von Fußabdrücken im Sand. Das ist bloß Kitsch, und die wehen weg. Stimmenfang geht in eine andere Richtung mit dem Geist eines legendären Tracks von Miles Davis und Wayne Shorter. „Footprints“ hieß bei den Coolen des Jazz vor allem: In Bewegung sein und welche hinterlassen. Solche die bleiben. Am Besten im Teer der Großstadt.

Im Titel der diesjährigen Ausgabe von Stimmenfang weht also ein anderer Wind als der romantische über Dünensand. Es bläst Wind aus der großen weiten Welt. Eingeladen wurden internationale „Ladies in Jazz“ – welche mit Willen zum eigenen Sound. Grande Dames und Femmes Fatales, gekommen um im Gedächtnis zu bleiben.

Festivalchef Reinhold Horn setzt hier fort, was er im Jazzstudio nach seinem spektakulär plötzlichen Rausschmiss nicht mehr durchsetzen durfte: Die Ausweitung der Jazzzone, die automatische Verjüngung des Publikums für die vermeintlich schwierige Musik – durch gutes Programm. Das Kulturreferat hat ihm für seine besonderen Leistungen in der Rettung und Ehrenrettung des Jazz in Nürnberg gerade das Kulturstipendiat 2009 verliehen.

Efrat Alony ist so eine Entdeckung von Horn für die Nürnberger Bühne. War ihm 2005 beim ersten Stimmenfang schon ins Netz gegangen und ist seither noch zwei weitere Male im Jazzstudio gefeiert worden. Während Stimmenfang verleihen die Nürnberger Nachrichten ihren Internationalen Jazzpreis an Alony. Zum Beispiel, weil Alony Jazz wie Popmusik macht. Ohne akademische Hinterstübchenverkünstelung. Mit schönen Melodien, die lange im Ohr nachgeistern. Trotzdem nie zu einfach klingend, weil ein Labyrinth von Trip Hop und Elektronika außen herum geht und alle sanfte Melodien zum Ausbruch zwingt. Alony ist dabei kein wonniger Popengel des Jazz, keine Norah Jones. Alony ist ein Art Fotonegativ des Pop in der Dunkelkammer, im Vagen auf der Suche nach der Form und schillernd in fremden Farben, der pure emotionale Ausdruck – und so wieder Jazz. Alonys Abendkleider zum Anlass ihrer eleganten Songs sind gerade angemessen.

Wie ein weltmusikalischer Soundtrack über einem Panorama-Shot von Bergketten im Balkan klingt die Sängerin Elina Duni, wenn Ihre Lieder beginnen. Dann legt sie los, und wie irr haut ihr Pianist in die Tasten, die Schlagzahl fährt hoch und die Kamera näher hinein, wo in der Vorstellung ein ganzes Dorf seine Folklore tanzt. Da ist Jazz sogar nah am Bucovina Club.

Kristin Asbjørnsen singt hinreißend und herreißend zwischen Folk, Jazz, und Songwriter-Pop einfach mal rauchiger als Keith Richards, auch rockiger, wenn sie zwischendurch will, ihr Lächeln dabei soft wie die Sonne über dem norwegischen Morgen.

Und damit sind ja nur die Damen aus der Ferne vorgestellt. Wie erfolgreich so ein Stimmenfang auch bei uns zuhause sein kann!

Yara Linss, die beim letzten Stimmenfang Elivs’ „Love me tender“ aufjazzte und durch alle Höhen und Tiefen ihrer Stimme jagte, bis einem der Song als Bossa Nova zugleich wie Verarschung und Verehrung vorkam. Yara kommt dieses Jahr mit ihrem neuen Projekt Firstroundkill. Der Name lässt auf neue Volltreffer hoffen.

Im Blues liegt die feurige Leidenschaft Olivia Solners, die Yara Linss in der Rolle als Rising Star des Festivals folgt. Die Nürnbergerin komponiert und arrangiert all Ihre Stücke selbst.

Und weil bei so viel sinnlicher Lust am Jazz die schrille, laute Avantgarde auf der anderen Seite auch nicht verschwiegen werden soll, greifen wir noch das Ensemble Art Zentral mit der Würzburger Sängerin Peggy Herzog heraus, bei denen ganz viel Punk den Jazz auffetzt und zuweilen zerfetzt in wilden Schreien und Tonlaufeskapaden.

Das ganze Programm mit vielen weiteren Tipps auf der Homepage des Festivals! Stimmenfang findet statt an den Spielorten Tafelhalle, Datev, Dreieinigkeitskirche, Derag Hotel Maximilian und last but not least: im Jazzstudio.

Bleibt uns zu hoffen, dass dessen reguläres Programm auch ohne Reinhold Horn wieder scharfe Kante bekommt wie Stimmenfang 2009.

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