Staatstheater Nürnberg: Die Ermittlung

Bild: Staatstheater Nürnberg: Die Ermittlung

Richtig schwere Kost: Der Gesang vom Phenol (Bild: Marion Bührle)


Brutaler als Tarantino

Man hat den Krieg nicht gesehen, bis man ihn durch die Augen von Quentin Tarantino gesehen hat. Es ist nur verständlich, dass man Probleme mit der trashigen Naziparodie Inglorious Basterds haben kann. Dagegen bietet Die Ermittlung von Peter Weiss die intensivste künstlerische Darstellung des dunkelsten Kapitels der deutschen Vergangenheit.

Sich im gepolsterten roten Sessel zurück lehnen und ein bisschen Geschichtsunterricht im Namen der Kunst vorgeplätschert bekommen, das ist doch was, oder? Ne, Das ist nichts. Die Inszenierung der „Ermittlung“ des Nürnberger Staatstheaters ist kein herkömmliches Theater, sondern ein Weg durch die kalten Mauern der ehemaligen NS-Kongresshalle. Jacken sind empfohlen, „es bleibt auch im Sommer kühl“. Verdammt kühl sogar, im übertragenen Sinn – Jacken helfen da nicht.

Das Dokumentardrama von Peter Weiss bedient sich der unveränderten Aussagen aus den Protokollen des Auschwitzprozesses, der Zuschauer erlebt also objektivierte Geschichte. Der Untertitel des Stücks „Oratorium in 11 Gesängen“ erinnert nicht unfreiwillig an Dante Alighieris „Göttliche Komödie“, die Struktur der „Ermittlung“ folgt der des Infernos. Unverfälschte deutsche Geschichte im Spiegel der Hölle also. Der schwere Gang durch das Kolosseum bereitet die Unmenschlichkeit in den Vernichtungslagern so abstoßend wie selten zuvor auf. Für 4 weitere Aufführungen wird die deutschlandweit umjubelte Inszenierung von Kathrin Mädler noch einmal ins Programm genommen, man sollte sich schnell um Karten bemühen. Die deutsche Nazi-Vergangenheit ist schließlich immer aktuell und ihre Darlegung immer berechtigt. Und wer bei dem Thema genervt die Augen verdreht hat’s immer noch nicht kapiert.

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