Was passiert mit den Studiengebühren?

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Studium in Spendierhosen (Foto: I make Design, Photocase)


Studium in Spendierhosen

Die Einführung der Studienbeiträge an der Uni Erlangen-Nürnberg ist bald ein Jahr lang her. Der Studentische Konvent stellt die Frage, ob die Mehrfinanzen richtig verwendet werden. Die restlichen Studenten kümmert es anscheinend wenig, was mit ihrem Geld passiert.

Im Sommersemester 2007 wurden an Bayerns Hochschulen die Studienbeiträge eingeführt – an der Uni Erlangen-Nürnberg der gesetzmäßige Höchstsatz von 500 Euro pro Semester. Das bayrische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst definiert den Sinn der Studienbeiträge knapp: Sie sollen zweckgebunden zur Verbesserung der Studienbedingungen eingesetzt werden. Die Uni Erlangen-Nürnberg setzt mit vielen Projekten diesen Vorsatz in die Tat um.

So ist aus Studienbeiträgen zum Beispiel eine E-Learning-Plattform finanziert worden, womit die Uni Erlangen-Nürnberg in der virtuellen Welt zu anderen Unis deutschlandweit endlich aufgeschlossen hat. Die Website unter www.studon.uni-erlangen.de sieht auf den ersten Blick aus wie ein normales Forum, hat aber mehr drauf. Die Startseite leitet die Studenten zu einer Auflistung von Kursen an den verschiedenen Fakultäten. Der Mauspfeil wird zur Hand, wenn er über die Namen der Kurse fährt, zeigt: Hier ist ein Link! Haben die Studenten einen Account und ein Passwort, können sie dem Link folgen, kommen zu einer Seite, die ihnen Infos oder Skriptdownloads bereithält. Einziges Manko: Die Seite wird von Professoren zum Upload ihrer Kursinfos noch kaum benutzt. Ändert sich das, wären die Zeiten vorbei, in denen sich die Studenten das Rüstzeug zu ihren Kursen auf einzelnen Instituts- oder Professoren-Homepages zusammensuchen mussten.

Eine weitere Neuerung aus den Geldern der Studienbeiträge sind W-Lan-Hotspots, mit denen die gesamte Uni Erlangen-Nürnberg bis zum Ende des Sommersemesters ausgestattet werden soll. Studenten mit Notebook sind dann klar im Vorteil. Sie brauchen nicht mehr zu den CIP-Pools des RRZE trotten, um ins Internet zu kommen.

Die spürbarsten und für den studentischen Alltag sinnvollsten Investitionen aus den Geldern der Studienbeiträge wurden für die Bibliotheken beschlossen. Mehr Bücher und längere Öffnungszeiten sind Services, auf die Studenten gerne zurückgreifen. Speziell in der UB sind verschlossene Türen nun ein Fremdwort. Einen, der an ihnen verzweifelt rütteln würde, weil er sein ausgeliehenes Buch gerne zurückgeben möchte, den kennt man seit dem Sommersemester 2007 nur noch aus Legenden von früher. Die angehenden Akademiker beweisen zudem wahren Arbeitergeist und zähes Sitzfleisch, wenn sie während der Prüfungszeit manchmal bis tief in die Nacht unter einer Lampe und über Texten grübeln dürfen.

Die Liste der Neuerungen fürs optimierte Studieren durch Studienbeiträge lässt sich weiter fortsetzen. Da gibt es nun beinahe in jeder Fakultät Studienberater, unzählige Tutorien zu Kursen und Tutoren, die einen mit Material vom Professor versorgen, wissenschaftliche Betreuer, modernisierte Hörsäle – zumindest modernisiert mit dem obligatorischen Beamer – Unterrichts- und Kursmaterialien, Kopiergelder und so weiter und so fort.

Über jene Punkte streitet sich keiner, denn alle Studenten profitieren offensichtlich davon. Allerdings wird auch Geld aus dem Topf der Studienbeiträge für Investitionen ausgegeben, über die nicht so viel Einigkeit herrscht. Die Richtlinie zur Verbesserung der Studienbedingungen, an der sich die Verwendung der Studienbeiträge orientieren soll, lässt Raum für unterschiedliche Meinungen. Zum Zwecke verbesserter Studienbedingungen – was das nicht alles heißen kann.

Der Studentische Konvent erhebt deshalb seine kritische Stimme. Er vertritt die Studenten in der Hochschulpolitik, meint, dass gerade wegen jener dehnbaren Richtlinie zu viel Geld von den Studienbeiträgen gleich wieder ausgegeben wird. „Wenn Geld da übrig bliebe, das nicht sinnvoll verwendet werden kann, wäre es doch ein logischer Schritt die Studiengebühren zu senken“, sagt Philipp Schrögel. Er ist einer der Vorsitzenden des Studentischen Konvents und pocht vehement auf eine Senkung der Studienbeiträge. Sein Ziel: Wenn die gröbsten Löcher mit einmaligen Zahlungen gestopft sind und die Studienbedingungen sich merklich verbessert haben, wäre es im Sinne vieler Studenten die Zahlungsansprüche an sie zurückschrauben. „Momentan jedoch sieht es nicht so gut aus“, sagt Philipp Schrögel. „Meine Prognose ist, dass die Studiengebühren bisherige Zuweisungen ersetzen. Möglicherweise schon sehr bald werden Mieten, Baumaßnahmen oder langfristige Stellen komplett aus den Einnahmen der Studiengebühren bestritten, so dass die Studiengebühren zu den regulären Haushaltsmitteln zu rechnen sind.“

Wie kommt er auf diesen Verdacht? Philipp Schrögel sitzt in einem zentralen Gremium, das über die Verteilung eines Teils der Studienbeiträge an der Uni Erlangen-Nürnberg entscheidet. Dort bekommt er von verschiedenen Einrichtungen der Uni Anträge auf Gelder aus den Studienbeiträgen in die Hand. Philipp Schrögel muss nun klären, ob er als einer von zehn Stimmberechtigten diesen Anträgen zustimmt oder nicht. Seine Ablehnung erfahren solche Anträge, die laut Meinung des studentischen Konvents Sache der staatlichen Fördermittel bleiben sollten.

Was sich der studentische Konvent von den Geldern aus den Studienbeiträgen wünscht, sind jene Projekte wie die W-Lan-Hot-Spots oder E-Learning-Plattform, die notwendige Neuerungen sind, die die Lehre der Erlanger Studenten an den deutschlandweiten universitären Standard anpassen. Was nach einem Positionspapier des studentischen Konvents aber klar in den Bereich der staatlichen Fördermittel gehört, sind Verbesserungen an der grundlegenden Infrastruktur und langfristige Verbindlichkeiten aller Art, Imageprojekte, die nur der Darstellung der Uni nach außen dienen, Entwicklungskosten neuer Studiengänge und Forschungsprojekte der Professoren.

Zuletzt lehnte Philipp Schrögel den Antrag auf Sanierung der Toiletten in der WiSo ab. „Das fällt beispielsweise klar in den Aufgabenbereich der staatlichen Finanzierung, das ist grundlegende Infrastruktur“, sagt er. Legitim ist der Antrag trotzdem. Gegen die Richtlinie des bayrischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst verstößt er nicht. Rechtfertigen lässt er sich als Verbesserung der Studienbedingungen allemal.

Weitere Anträge auf Studienbeiträge für das Sommersemester 2008 sind öffentlich einzusehen, auf der Homepage der Uni Erlangen-Nürnberg. Eine 20-seitige Liste fasst da die Wünsche der Fakultäten zusammen. Darunter auch welche, die den Eindruck erwecken, dass Philipp Schrögels Verdacht stimmen könnte. So haben beinahe alle Fakultäten die Schaffung neuer Personalstellen und Sachausgaben beantragt, die unbefristet von den Studienbeiträgen bezahlt werden sollen – wegen des Fehlens einer Frist Sache der regulären Haushaltsmittel, sagt das Positionspapier des Konvents. Die Lehreinheit Mathematik will vier Hilfskräfte und unbestimmtes Personal für 174.487,33 Euro, die Rechtwissenschaft eine erhöhte Teilzeitstelle, zwölf Hilfskräfte und Sachkosten im Bereich der Verwaltung für 24.250 Euro. Die Lehreinheit Geographie hält gar 46.194,79 Euro für unbestimmtes zu besetzendes Personal ab dem Sommersemester 2008 zurück.

Wird das Geld also, wie der Studentische Konvent meint, wenn nicht gesetzeswidrig, so doch gegen den Willen der Studenten ausgegeben? Der Studentische Konvent geht davon aus, den Willen der Studenten zu vertreten, hängt aber ein Stück weit in der Luft: Die Studenten halten sich raus, wenn es darum geht, zu diskutieren oder Vorschläge zu machen, wie denn das Geld aus den Studienbeiträgen genutzt werden soll. „Mailaccounts wie studiengebuehren@phil-fak.com oder fsi@fsi-wiso.de, an die die Studenten ihre Wünsche für Studienverbesserungen schicken dürften, werden kaum genutzt“, sagt Philipp Schrögel.

Das Department Geschichte hatte indes keine Lust weiter auf Vorschläge zu warten, ging sogar in die Offensive: Methode „Wink-mit-dem-Zaunpfahl“. Über die Adresse studiengeb@googlemail.com wurden ganze 800 Mails an Geschichtsstudenten verschickt. Der Inhalt war eine Aufforderung, sich einzubringen, zu sagen, was man gerne von den Studienbeiträgen für sein Department finanziert haben will. Sieben Mails kamen zurück, eine davon mit einem echten Vorschlag. Auch die Hochschulleitung wagt nun von sich aus einen Vorstoß in Richtung Studenten. Sie hat den Lehrstuhl für Soziologie und Empirische Sozialforschung beauftragt mittels einer Online-Umfrage herauszufinden, was die Studenten von ihren Studienbeiträgen wirklich finanziert haben wollen. Die Auswertung beginnt Ende April.

Eine wichtige Frage bleibt die Erhebung leider schuldig: Möchten die Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg die Beiträge gesenkt sehen wie der Convent? Oder sind sie willig, auf Dauer 500 Euro zu bezahlen? Je nach dem wäre in der Diskussion eine andere Haltung nötig.

Möglichkeiten gibt es, an vorderster Front mitzureden über die aus den Studienbeiträgen finanzierten Anschaffungen. Philipp Schrögel nutzt eine davon, wenn er im Auftrag des studentischen Konvents im zentralen Gremium sitzt. Der Anteil an den Geldern, über den das Gremium und Philipp entscheiden, beträgt 25 Prozent. So viel wird fakultätsübergreifend investiert. Der große Teil von 75 Prozent der Studienbeiträge geht direkt an die Fakultäten. Dort entscheiden intern entweder Fakultätsgremien oder Institutsgremien über Investitionen. Aber auch in diesen Gremien dürfen Studenten sitzen, die gerne über die Verwendung der Gelder mitbestimmen wollen. Nötig wäre nur mehr Engagement in der Campuspolitik, mehr Mitwirken in den studentischen Organen. Genaue Informationen über Einstiegswege bieten die Studierendenvertreter auf ihrem gemeinsamen Portal Fauna an (www.fauna.uni-erlangen.de)!

Zwar hat die Hochschulleitung am Ende immer Weisungsrecht, kann in letzter Instanz darüber entscheiden, wohin das Geld schließlich wandert. Aber in der Regel ist das Wort, das von den Gremien über die Anträge auf Studienbeiträge gesprochen wird, auch das letzte Wort. Solange sich die Studenten weitgehend aus dem Diskurs um die Studienbeiträge raushalten, bringt aber auch das demokratischste System nichts. So lange kann man weder der Hochschulleitung noch den Fakultäten oder dem Studentischen Konvent einen Strick daraus drehen, wohin sie das Geld der Studenten nach ihrem Gutdünken investieren. Denn wie sagt eine Redewendung so schön: Irgendwer muss es ja machen.

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